Fahrermanagement
Ein zentraler Akteur im Transportmanagement ist natürlich der Fahrer. Er ist derjenige, der die Transportaufträge ausführt. Bei Planung und Abwicklung der Transporte sind vielfältige Randbedingungen hinsichtlich des Fahrpersonals zu berücksichtigen, so dass von Telematiksystemen entsprechende Funktionen erwartet werden. Die wichtigsten sind daher auch Kriterien bei der Auswahlberatung für Telematiksysteme:
Analyse von Lenk-, Arbeits- und Ruhezeiten
Für den Einsatz der Fahrer sind gesetzliche Vorgaben für die Lenk-, Arbeits- und Ruhezeiten einzuhalten. Ein Hilfsmittel dazu ist der so genannte Digitale Tachograph (DTCO). Das für Fahrzeuge ab 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht vorgeschriebene System (im grenzüberschreitenden Verkehr ab 2,5 t) erfasst die tatsächlichen Fahrzeiten des Fahrers, dokumentiert die gesetzlich vorgeschriebenen Unterbrechungen und Ruhezeiten sowie Tätigkeiten wie Be- und Entladen, Fahrzeugkontrollen oder administrativen Arbeiten. Weiterhin speichert der Digitale Tachograph die Geschwindigkeitsdaten sowie die gefahrenen Kilometer. Die Zuordnung der aufgezeichneten Aktivitäten zu einem bestimmten Fahrer erfolgt über die persönliche „Fahrerkarte“, welche den Fahrer identifiziert und auch als Datenspeicher für seine Fahrten dient. Der Tachograph speichert seine Informationen aber auch im Gerät selbst, unabhängig vom jeweiligen Fahrer (man spricht dann von „Massendaten“). Diese müssen regelmäßig vom Fahrzeugbetreiber aus dem Gerät ausgelesen, analysiert und sicher archiviert werden. Manche Tachographen umfassen ein eigenes Kommunikationsmodul, um die Massendaten regelmäßig zum Betreiber zu übertragen. In der Regel wird der Tachograph aber auch über die so genannte D8-Schnittstelle mit der Telematik-Hardware im Fahrzeug verbunden, so dass die Informationen über Lenk-, Arbeits- und Ruhezeiten auch zum Fahrermanagement im Telematiksystem zur Verfügung stehen
Erfassung der Fahrsituation (Dashcam)
Dashcams, ob als Stand-Alone-Gerät oder als Teil der Telematik-Hardware, dokumentieren das Verkehrsgeschehen vor und teilweise auch im Fahrzeug. Die Aufzeichnungen können zur Klärung von Unfallhergängen, zur Beweissicherung und zur Analyse kritischer Fahrsituationen genutzt werden. Weiterhin werden sie genutzt, um Nachschulungsbedarfe für das Fahrpersonal zu identifizieren. Da es sich bei diesen Informationen i.d.R. um personenbezogene Daten handelt, ist der Einsatz von Dashcams in der EU und insbesondere in Deutschland allerdings umstritten.
Fahreridentifikation
Oftmals werden Transportfahrzeuge von verschiedenen Fahrern genutzt. Es ist daher notwendig, den jeweiligen Fahrer einer Tour eindeutig zu identifizieren. Dies kann durch die Tachographen-Fahrerkarte oder separate Identifikationsverfahren, z.B. mittels PIN, RFID-Chip oder Smartphone erfolgen. Dadurch können Fahrten, Arbeitszeiten und Fahrzeugdaten eindeutig einem Fahrer zugeordnet werden.
Fahrstilanalyse
Ein modernes Telematiksystem kann das Fahrverhalten anhand von Kriterien wie starkem Bremsen, Beschleunigen, Kurvenverhalten, Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Leerlaufzeiten bewerten. Die Ergebnisse können zur Steigerung von Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit genutzt werden, indem auffällige Fahrer entsprechende Schulungen erhalten.
Fahrtenbuch
Speziell bei geschäftlich genutzten Pkw ist aus steuerlichen Gründen ein Fahrtenbuch notwendig. Telematiksysteme bieten daher entsprechende Funktionen an. Dabei werden die Fahrten automatisch mit Angaben wie Fahrer, Fahrzeug, Start- und Zielort, Zeitpunkt und Kilometerstand dokumentiert. Dies reduziert den manuellen Erfassungsaufwand für den Fahrer und ermöglicht eine lückenlose digitale Fahrtenhistorie.
Führerscheinkontrolle
Gewerbliche Fahrzeugbetreiber sind verpflichtet, ihre Fahrer regelmäßig dahingehend zu überprüfen, ob ein gültiger Führerschein vorliegt. Telematiklösungen können die regelmäßige Kontrolle der Fahrerlaubnis unterstützen und dokumentieren. Je nach System erfolgen die Prüfungen digital, beispielsweise über Smartphone- oder Kartenlösungen.
Schulungsempfehlungen
Auf Basis der vom Telematiksystem erfassten Fahr- und Verhaltensdaten können individuelle Weiterbildungs- oder Trainingsbedarfe identifiziert werden. Beispielsweise lassen sich Empfehlungen für Eco-Training, Sicherheitstrainings oder Schulungen zum defensiven Fahren ableiten.
Spesenabrechnung
Insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr ist die Spesenabrechnung kompliziert und aufwändig. Die vom Telematiksystem erfassten Fahr- und Aufenthaltsdaten können als Grundlage für die automatisierte Ermittlung von Spesen und Auslösebeträgen dienen. Dadurch lassen sich manuelle Abrechnungsprozesse reduzieren und Abrechnungen schneller und nachvollziehbarer erstellen.
Überwachung der Fahrtüchtigkeit
Telematiksysteme können – je nach eingesetzter Sensorik – Hinweise auf Ermüdung, Ablenkung oder andere sicherheitsrelevante Zustände (Alkohol!) erkennen. Ziel ist es, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und durch Warnungen oder geeignete Maßnahmen Unfälle zu vermeiden.