Allgemeine Eigenschaften eines Telematiksystems
Neben den gewünschten bzw. benötigten Funktionen, die ein Telematiksystem zur Fahrzeug- und Flottensteuerung bieten sollte, sind einige Systemeigenschaften hinsichtlich Kommunikation, Energieversorgung, Geräteausführung und Montage wichtige Kriterien.
Bei der Kommunikation sind die typischen Alternativen:
4G/5G-Kommunikation
Telematiksysteme nutzen üblicherweise für die Datenübertragung vom Fahrzeug zur Zentrale die Mobilfunknetze der vierten (4G/LTE) oder fünften Generation (5G). Diese ermöglichen die schnelle Übertragung von Positions-, Fahrzeug- und logistische Daten an zentrale Systeme. 5G bietet darüber hinaus eine hohe Datenrate und geringe Latenz, was beispielsweise für Video-Telematik interessant ist, bei der große Datenmengen übertragen werden müssen. Es muss dem Fahrzeugbetreiber klar sein, dass die tatsächliche Verfügbarkeit der online-Verbindung zum Fahrzeug von Netzabdeckung und Einsatzgebiet abhängt und nicht immer und überall gewährleistet ist. Bei „exotischen“ Einsatzgebieten ohne Mobilfunkabdeckung ist ggfs. auf Satellitenkommunikation auszuweichen. Bewegen sich die mobilen Objekte jedoch in einem abgegrenzten Bereich, z.B. auf großen Betriebshöfen, Industrieanlagen oder Flughäfen, kann auch die WLAN-Kommunikation eingesetzt werden.
NB-IoT-Kommunikation
NB-IoT (Narrowband Internet of Things) ist ein speziell für Machine-to-Machine-Anwendungen entwickelter Funkstandard. Er ermöglicht die Übertragung kleiner Datenmengen bei geringem Energieverbrauch. Dadurch eignet sich NB-IoT insbesondere für einfachere Telematikanwendungen und batteriebetriebene Sensoren. Die Datenübertragung ist allerdings weniger für große Datenmengen, beispielsweise Video, geeignet.
Satellitenkommunikation
Bei der Satellitenkommunikation werden Telematikdaten über Satellitennetze übertragen. Sie ermöglicht Kommunikation auch dort, wo keine ausreichende Mobilfunkversorgung vorhanden ist. Das ist beispielsweise bei Fahrzeugen oder mobilen Objekten in abgelegenen Regionen oder auf See relevant. Je nach System können allerdings höhere Kosten und Einschränkungen bei Datenmenge oder Übertragungsgeschwindigkeit auftreten. Typische Anbieter sind Iridium, Thuraya und Inmarsat.
WLAN-Kommunikation
WLAN kann zur drahtlosen Kommunikation zwischen Telematikkomponenten und mobilen Endgeräten oder innerhalb eines Fahrzeugs eingesetzt werden. Es ermöglicht beispielsweise die Verbindung von Tablets, Smartphones, Sensoren oder anderen Fahrzeugkomponenten. WLAN kann auch zur Datenübertragung genutzt werden, wenn sich ein Fahrzeug auf einem Betriebshof, o.ä. befindet, insbesondere wenn das Gebiet ohnehin durch ein WLAN-Netzwerk ausgeleuchtet ist.
Neben der Wahl der Datenübertragungstechnologie gibt es verschiedene Varianten hinsichtlich der Telematik-Hardware für das Fahrzeug:
Proprietäre Geräte (“Special-to-type”)
Proprietäre bzw. speziell für einen bestimmten Anwendungsfall entwickelte Geräte sind auf die Anforderungen eines konkreten Fahrzeugtyps, Einsatzbereichs oder Telematikanbieters zugeschnitten und bieten in der Regel für die anspruchsvollen Herausforderungen im Fahrzeugbetrieb (Temperatur, Erschütterungen, Stromversorgung, Schnittstellen, usw.) ausgelegte Hardware. Sie können dadurch eine besonders gute technische Integration und einen spezifischen Funktionsumfang ermöglichen. Im Vergleich zu Standardkomponenten können Anschaffung, Austausch und Erweiterung jedoch aufwendiger sein. Außerdem kann eine stärkere Bindung an den jeweiligen Anbieter entstehen, denn bei Ausrüstung weiterer Fahrzeuge will man meist dieselben Endgeräte verwenden, insbesondere um den Fahrer den Wechsel von Fahrzeug zu Fahrzeug zu erleichtern.
Kommerzielle Geräte („COTS“)
COTS (Commercial off-the-Shelf) bezeichnet handelsübliche, standardisierte Geräte und Komponenten. Sie werden in größeren Stückzahlen hergestellt und sind typischerweise kurzfristig verfügbar. Dadurch können Kosten und Beschaffungszeiten gegenüber speziell entwickelten Geräten reduziert werden. Für den Einsatz im Fahrzeug muss allerdings geprüft werden, ob die Geräte den erforderlichen Umgebungsbedingungen standhalten.
Bring-your-own-device (“BYOD”)
Bei BYOD (Bring Your Own Device) wird für die Telematikfunktion ein bereits vorhandenes Gerät des Fahrers oder vom Flottenbetreiber in größerer Menge beschaffte COTS-Geräte genutzt. Dies kann beispielsweise ein Smartphone oder Tablet sein. Dadurch kann die Anschaffung zusätzlicher Hardware reduziert werden. Zu berücksichtigen sind jedoch Kompatibilität, Gerätesicherheit, Datenschutz und die private Nutzung des Geräts.
Ein weiteres bei der Auswahl eines Telematiksystems zu berücksichtigendes Kriterium ist die Frage, wer die Konnektivität stellt, d.h. wer betreibt die ausgewählte Datenübertragungstechnologie. Hier gibt es zwei Modelle:
Fahrzeugbetreiber stellt Konnektivität
Bei dieser Variante stellt der Betreiber des Fahrzeugs die notwendige Kommunikationsverbindung selbst bereit. Beispielsweise kann eine vorhandene SIM-Karte oder ein eigener Mobilfunkvertrag genutzt werden. Der Telematikanbieter muss damit nicht zwingend einen eigenen Kommunikationsvertrag bereitstellen. Für den Betreiber entstehen dadurch jedoch zusätzliche Aufgaben bei Verwaltung und Sicherstellung der Konnektivität.
Telematikanbieter stellt Konnektivität
Hier übernimmt der Telematikanbieter die Bereitstellung der für die Datenübertragung erforderlichen Konnektivität. Dazu kann beispielsweise eine SIM-Karte inklusive Mobilfunkvertrag gehören. Der Betreiber erhält dadurch eine stärker integrierte Lösung und muss sich weniger um die Kommunikationsinfrastruktur kümmern. Wichtig sind dabei insbesondere Netzabdeckung, Vertragsbedingungen, Roaming und laufende Kosten.
Weitere bei der Auswahl eines Telematiksystems wichtige Kriterien sind:
Keine externe Stromversorgung nötig
Telematikkomponenten können so ausgelegt sein, dass sie keine permanente externe Stromversorgung benötigen. Sie verfügen beispielsweise über einen integrierten Akku oder werden besonders energieeffizient betrieben. Dies erleichtert den Einsatz an Anhängern, Wechselbrücken, Containern oder anderen mobilen Objekten. Besonders bei schwer zugänglichen Objekten kann diese Eigenschaft von Vorteil sein.
Komplexität der Montage im Fahrzeug bzw. am mobilen Objekt
Die Montage beschreibt den technischen und zeitlichen Aufwand, der für die Installation des Telematiksystems im Fahrzeug erforderlich ist. Eine einfache Montage kann beispielsweise durch Plug-and-play-Komponenten oder eine direkte Anbindung an vorhandene Schnittstellen erreicht werden. Aufwendige Installationen können dagegen Eingriffe in die Fahrzeugelektronik, zusätzliche Verkabelung oder spezielle Halterungen erfordern und bedingen einen z.T. mehrtägigen Werkstattaufenthalt.
Modularer Aufbau
Ein modular aufgebautes Telematiksystem besteht aus verschiedenen Komponenten, die je nach Anforderung kombiniert oder erweitert werden können. Dazu können beispielsweise Ortung, Sensorik, Kommunikation, Fahreridentifikation oder Video gehören. Der Betreiber kann dadurch den Funktionsumfang schrittweise an den eigenen Bedarf anpassen. Ein modularer Aufbau erleichtert häufig auch spätere Erweiterungen und Nachrüstungen.
Video-Telematik
Video-Telematik kombiniert klassische Telematikfunktionen mit Kameras (so genannte Dashcams) und videobasierten Informationen. Dadurch können beispielsweise Fahrsituationen, Ereignisse im Straßenverkehr oder Vorgänge rund um das Fahrzeug erfasst werden. In Verbindung mit KI-gestützter Bildauswertung lassen sich bestimmte Ereignisse automatisiert erkennen. Wegen der Verarbeitung von Bild- und gegebenenfalls Personendaten sind Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen besonders zu beachten.