Digitalisierung in der Transportlogistik
Die Digitalisierung hat die Transportlogistik bisher schon grundlegend verändert und bietet dem Anwender, d.h. in der Regel dem Betreiber von Transportflotten, zahlreiche Möglichkeiten zur Verbesserung der Prozesstransparenz und zur Effizienzsteigerung.
Die Anfänge der Digitalisierung bei Transportdienstleistern und Speditionen reichen bis in die 1980er Jahre zurück, als die ersten Personal Computer und Rechenanlagen in Unternehmen eingesetzt wurden. Diese frühen Systeme wurden hauptsächlich zur Verwaltung, Planung und Abrechnung von Transporten eingesetzt und oftmals mit dem Begriff Speditionssoftware beschrieben. Mit der Abfahrt eines Transportfahrzeugs vom Hof des Fuhrunternehmens waren diese Systeme jedoch „blind“, da keinerlei Information über den Status der Transportaufträge oder die Position des Fahrzeugs bekannt war. Erst mit der Einführung von Telematiksystemen mit ihren integrierten GPS-Empfängern begann Mitte/Ende der 1990er Jahre die Positionsüberwachung von Fahrzeugen und Transportgut auf Basis von SMS-Nachrichten zwischen einem Endgerät im Fahrzeug und dem Fahrzeugbetreiber. In diesem Zeitraum wurden auch die ersten Navigationsgeräte für Fahrzeuge in großem Stil angeboten, die ebenfalls auf GPS-Informationen basieren und die ermittelte Position mit digitalen Kartenwerken in Beziehung setzen, um daraus eine Zielführung für den Fahrer zu realisieren.
Digitale Straßenkarten bildeten dann auch die Grundlage für die Entwicklung von Tourenplanungs-systemen, die die Zuordnung von verschiedenen Transportaufträgen zu einer Tour, d.h. einer Abfolge von Be- und Entladepunkten, mit mathematischen Optimierungsalgorithmen über alle zur Verfügung stehenden Transportmittel berechnen und dem Disponenten als Empfehlung darstellen können.
Nach der Jahrtausendwende führte die Verbreitung des Internets zu einem weiteren Digitalisierungs-schub im Transportwesen. Die Speditionssoftware entwickelte sich zu internetbasierten Transportmanagementsystemen (TMS) weiter und ab der 2. Generation des GSM-Mobilfunks (GPRS) waren dann die Telematikendgeräte im Fahrzeug „always-on“ und erlaubten die zeitnahe Übertragung größerer Datenmengen im Vergleich zur SMS-Kommunikation. Neben den transportlogistischen Informationen konnten nun auch aktuelle technische Fahrzeugdaten (z.B. der Treibstoffverbrauch oder der Bremsenverschleiß) durch die Telematik übertragen und ausgewertet werden. Parallel eröffneten Technologien wie der Barcode-Scanner und RFID-Tags und –Leser bequeme Wege zur elektronischen Frachtidentifikation.
Ab 2006 wurde der digitale Fahrtenschreiber per Gesetz eingeführt, ein weiterer Baustein der Digitalisierung. Fast zeitgleich kam mit der LKW-Mautpflicht in Deutschland ein weiteres digitales System in das Fahrzeug, die so genannte Onboard-Unit (OBU).
Seit ca. 2010 tummeln sich nun noch internetbasierte Frachtenbörsen auf der Bühne und bilden den Vermittlungsvorgang zwischen Versender einer Fracht und möglichen Frachtführern digital ab. Daneben entwickelten sich die Realtime Transportation Visibility Platforms (RTVP), die sich insbesondere bei multimodalen Transporten das Tracking eines Transportguts zur Aufgabe gemacht haben und dabei auf Informationen aus den unterschiedlichsten vorgelagerten Systemen zugreifen und die Daten konsolidieren.
Zu erwähnen sind auch die Enterprise Resource Planning Systeme (ERP), die insbesondere bei produzierenden Unternehmen verbreitet sind und aus Produktionsinformationen den Transportbedarf ableiten und z.B. an TMS-Systeme übergeben.
Die vorstehende Historie beschreibt ca. 25 Jahre technologischer Entwicklungen und kann doch nur auf die groben Errungenschaften der Digitalisierung eingehen. Im Detail haben sich in diesem Zeitraum Funktionen und Eigenschaften von Digitalisierungslösungen für die unterschiedlichsten Transportbereiche ergeben, die nur schwer umfassend beschrieben werden können. Man muss sich auch klarmachen, dass sich die erhofften positiven Effekte der Digitalisierung in der Regel nur aus der Kombination der Systeme ergeben, die über digitale Schnittstellen miteinander kommunizieren müssen. Das hat dazu geführt, dass die Systemgrenzen sich oft auch funktional überlappen, wie in folgender Abbildung dargestellt.

Systemwelten der Digitalisierung im Straßengüterverkehr
Hinzu kommt, dass sich im DACH-Markt (Deutschland/Österreich/Schweiz) eine ziemlich fragmentierte Anbieterlandschaft entwickelt hat, die potenzielle Anwender im Transportwesen verwirrt und manchmal auch abschreckt.
Die Plattform transportconnected.de hat sich daher zum Ziel gesetzt, für die Stakeholder der Transportlogistik eine strukturierte Übersicht über die angebotenen Systeme und deren Anbieter darzustellen. Für konkrete Anwendungsfälle können Nutzer anhand ihrer jeweiligen Anforderungen passende Systeme identifizieren.